Spiritualität / Spiritualität im Alltag
Ein höheres Bewusstsein verlangt einen edlen Charakter!
Viele Menschen versuchen in dieser Zeit ein höheres Bewusstsein zu erlangen. Auf diesem Weg fühlen sie sich dann auch oft als "besserer" Mensch.
Auf der anderen Seite ist es aber ebenso offensichtlich, dass das Leben vieler, die sich auf diesem spirituellen Weg befinden, in einigen Bereichen immer mehr aus dem Ruder läuft. Aber sie wissen nicht, warum? Was ist also der Schlüssel zur Lösung dieser Problematik?
Wenn es im Leben vor allem darum geht, sich immer weiter zu entwickeln und damit auch ein "besserer" Mensch zu werden - und vor allen Dingen auch darum, als dieser "bessere" Mensch dann einen wichtigen Beitrag für die planetare Gemeinschaft zu leisten, statt immer nur zu meinen, dass einem etwas "zusteht" - dann geht es auch darum, uns "edle" Charakter-Eigenschaften anzueignen, die diesem Ziel entsprechen und die uns überhaupt die Grundlage dafür geben.
Lediglich ein "höheres" Bewusstsein zu erlangen, ohne gleichzeitig auch die ethischen und somit charakterlichen Eigenschaften entwickelt zu haben, würde uns nämlich nur in Schwierigkeiten bringen. Denn der Unterschied zwischen dem Menschen, der wir aufgrund unserer spirituellen Erkenntnisse eigentlich sein sollten und der Person, die wir heute trotz allen Wissens immer noch sind, wäre viel zu groß.
Im gleichen Moment, in dem wir meinen, dass wir schon ein viel höheres Bewusstsein erreicht haben als andere, in dem wir also glauben, dass wir schon "etwas Besseres" sind, fängt das Problem im Grunde schon an.
Woher wollen wir eigentlich wissen,
welcher Mensch wie weit entwickelt ist?
Woher wollen wir wissen, ob die Seele
unseres ärgsten Feindes diese Rolle nicht einfach
nur spielt, damit wir daraus lernen und an ihr
wachsen und reifen können?
Woher wollen wir wissen, ob nicht
alle Menschen in unserer Umgebung
nur eine Rolle für uns spielen, damit
wir nun endlich den nächsten Entwicklungsschritt
tun, der möglicherweise längst angesagt ist?
Nehmen wir doch rein hypothetisch
einmal einen x-beliebigen Lebenslehrer:
Könnte es sein, dass dieser in einem früheren Leben
einmal sehr überheblich war und in verantwortlicher
Position nichts Neues annehmen konnte oder wollte
und dass sich nun viele Seelen bereit erklärt haben,
für ihn in diesem Leben die "Schüler" zu
spielen, nur mit einem einzigen Ziel - damit er
nun endlich als "Lehrer" immer wieder
über das spricht, was er seinerzeit partout nicht
begreifen oder annehmen wollte? Und könnte es nicht
sein, dass es ihm seine "Schüler" auch
manchmal besonders schwer machen, damit er nun
ultimativ lernt, wirklich bedingungslos zu seinen
erkannten Wahrheiten zu stehen - auch wenn er massiv
dafür kritisiert und verunglimpft wird?
Und überhaupt - könnte es nicht sein,
dass all diese vielen Menschen bereits
erleuchtet sind und nun täglich in der Dualität
ihr Bestes dafür geben, damit er immer authentischer
wird und es für sich auch endlich begreift?
Könnte es nicht sein, dass das gesamte
Universum genau auf diese Erkenntnis
wartet - dass das Leben auf uns alle wartet, weil
wir wichtig sind, im Zusammenspiel des Ganzen?
Wie kann man all diese Fragen jemals
beantworten? Natürlich kann es auch genau umgekehrt
sein. Vielleicht ist ja auch der Lebenslehrer
bereits der "Erleuchtete", der sich
dazu entschlossen hat, sich "diesmal" nicht
daran zu erinnern, damit er sich noch besser
in die Probleme anderer hineindenken und Verständnis
für sie aufbringen kann. Alles kann sein - alles
ist möglich!
Eines steht jedoch fest: Bevor ich
selbst noch nicht alles für möglich halte, weil
ich nicht glaube, dass es so sein kann, solange
bin ich immer noch in meinen alten Meinungen und
Standpunkten der Dualität gefangen. Und je eingefahrener
der Standpunkt, je schmaler der Horizont, umso
weniger lernen wir dazu.
Ich möchte es sogar noch verstärken und sagen: Wir wollen oft gar nichts anderes hören … weil es für unser Ego sehr gefährlich wäre und für alles, was wir so gemein hin als Sicherheit empfinden. Ansonsten könnte es ja sein, dass wir eines Tages vielleicht zugeben müssen, "Ich habe mich geirrt!". Und das würde wiederum bedeuten, dass ich auf diese Weise schmerzhaft erkennen müsste, dass der Mensch, der ich heute bin, den Anforderungen der neuen Zeit nicht mehr gewachsen ist. Es könnte sein, dass der Unterschied zwischen dem Menschen, der ich aufgrund meines erlernten Wissens sein könnte und auch sein sollte und demjenigen, der ich derzeit noch immer bin, so groß wäre, dass ich den Glauben verliere, diese Lücke auch schließen zu können. Und darunter würden mein Selbstwertgefühl und mein Selbstvertrauen enorm leiden, aber natürlich auch meine Selbstachtung und meine Selbstliebe.
Völlig egal, mit welchen Methoden es uns gelingt, ein höheres Bewusstsein zu erlangen - durch Meditation, durch Channeling oder was auch immer - wenn unsere Persönlichkeitsstruktur nicht mitwächst, so dass wir das, was wir tun (oder lassen) sollten, nicht zu 100 Prozent in die Praxis umsetzen können, haben wir ein ernstes Problem. Denn diese Diskrepanz sorgt für Spannungen, sowohl im Innen als auch im Außen. Und genau das lässt sich derzeit bei vielen Menschen beobachten und feststellen.
Wenn wir davon ausgehen, dass das Spiel des Lebens in erster Linie den Sinn hat, unser wahres Selbst von allen Begrenzungen und Einschränkungen zu befreien, um als das wahre vollkommene Wesen in Erscheinung zu treten, dann ist es gleichzeitig unsere Aufgabe, mit dieser immer größer werdenden Freiheit auch immer verantwortungsvoller umzugehen.
Aber dann wird auch klar, womit sich so viele Menschen ihr Leben trotz Höherführung schwer machen:
Wie viele so genannte "Lichtarbeiter" gibt es, die wegen ihrer "Sucht" nach Beachtung und Aufmerksamkeit andere Menschen schlecht machen oder sie sogar erniedrigen, nur um selbst besser dazustehen?
Wie viele gibt es, die scheinbar unter persönlicher Freiheit verstehen, dass sie machen können, was sie wollen … völlig egal, wer dadurch zu Schaden kommt?
Wie viele gibt es, die in ihrem Streben nach Höherführung geistiges Eigentum - z. B. Seminar-Know-How etc. - stehlen und damit dann unter eigenem Namen Veranstaltungen anbieten, nur um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken und sich mit fremden Federn zu schmücken?
Und wie viele gibt es, die dies sehr wohl wissen, es aber trotzdem zum eigenen Vorteil nutzen, weil es möglicherweise viel billiger ist? Ist es wirklich ein edler Charakterzug, wenn man bewusst billige Plagiate kauft und sie dann auch noch für die eigene erfolgreiche Zukunft nutzen will? Ein gefährlicher Denkansatz, wenn Sie mich fragen.
Ein höheres Bewusstsein ist nur wirklich dann ein hohes Bewusstsein, wenn wir gelernt haben, mit der damit gewonnenen Freiheit auch selbstverantwortlich umzugehen. Wer nur seine Rechte in Anspruch nehmen, aber gleichzeitig von seinen ethischen Pflichten nichts wissen will, wird sich auf diesem Ego-Trip schon bald selbst versklaven.
Und wer obendrein noch meint, dass ihm all das schließlich "zustehe", weil er bereits ein viel höheres Bewusstsein habe und deshalb ein "besserer" Mensch sei, zieht sich schon bald Lernprozesse und Erfahrungen an, die ihm genau das Gegenteil beweisen werden.
Ein höheres Bewusstsein ohne die entsprechende charakterliche Entwicklung der Persönlichkeitsstruktur ist deshalb mehr eine Bürde als eine Gnade, ist mehr ein Martyrium als ein Segen.
Deshalb kann es das Ziel einer verantwortungsvollen Ausbildung nicht sein, ausschließlich nur die Höherführung in ein immer höheres Bewusstsein in den Mittelpunkt zu stellen. Denn dadurch läuft man Gefahr, dass sich die Teilnehmer in dieser immer größer werdenden Freiheit verlieren. So ist zu beobachten, dass sich die einen aus Angst zu versagen, eher zurückziehen - weil sie es nicht glauben können, dass sie die Lücke zwischen dem, was sie sein sollten und dem, was sie heute noch sind, schließen können. Sie fühlen sich überfordert.
Auf der anderen Seite erlebt man, dass wiederum andere jeden Boden unter den Füßen verlieren und spirituell abheben. Beides ist wenig sinnvoll, vor allem dann, wenn man Erfolg und Erfüllung auf Dauer für sich anstrebt.
Das Ziel einer wirklich guten und durchdachten Ausbildung muss also lauten: Vor allem den Charakter der Persönlichkeitsstruktur soweit zu trainieren, dass die Teilnehmer ihrerseits soweit gefestigt sind, um dann mit einem "höheren" Bewusstsein auch immer mehr Verantwortung zu übernehmen und die gewonnene Freiheit dafür zu nutzen, um ein sinnvolles und erfülltes Leben für jedermann sichtbar führen zu können.
An erster Stelle muss also immer
die Charakterausbildung der Persönlichkeitsstruktur
stehen und erst dann ist auch eine Höherführung
gefahrlos möglich - alles andere ist eine Illusion.
Ein Beispiel dazu:
Wenn ein junger Mensch, der es gewohnt
ist, ein Auto mit gerade mal 100 PS zu fahren -
wenn so ein Mensch plötzlich ein Auto mit 850 PS
anvertraut bekommt, er aber nicht gelernt hat,
damit verantwortungsvoll umzugehen, dann stellen
diese viele PS für ihn selbst, aber auch für seine
Umwelt, wohl eher eine größere Gefahr dar, als
Freiheit. Und wenn dann auch noch andere Leute
mit in diesem Auto sitzen, wächst die Gefahr Schaden
zu verursachen, um ein Vielfaches - was die Statistiken
im Straßenverkehr deutlich unter Beweis stellen.
Und so ist es mit allem im Leben.
Wenn mit der Freiheit und Größe nicht gleichzeitig die Selbstverantwortung gewachsen ist, dann wird die Freiheit für viele sehr schnell zum Verhängnis. Und solange wir andere Menschen noch verunglimpfen oder sie verurteilen oder sie zugunsten unseres eigenes Vorteils benachteiligen oder ihnen sogar bewusst Schaden zufügen, solange bewegen wir uns noch im Kindergarten der Ethik-Schule des Lebens, aber nicht auf einer höheren Ebene.
Die hohe Schule der Ethik verlangt also von uns, dass wir gezielt daran arbeiten, uns zumindest gleichzeitig einen "edlen" Charakter anzueignen, damit wir "gefahrlos" in höhere Gefilde aufsteigen können. Und in dem Maße, wie wir lernen, weise und bewusst mit der immer größer werdenden Freiheit umzugehen und uns in allen Lebenslagen ethisch einwandfrei zu verhalten - d. h. unser höheres Bewusstsein zu unserem und zum Wohle vieler einzusetzen, ohne anderen zu schaden oder sie zu verletzen - in dem Maße können wir dann auch am letzten Tag unseres Lebens auf ein sinnvolles, erfolgreiches und erfülltes Leben zurückblicken. Auf ein Leben, das keine Schinderei war, sondern ein Leben voller Freude und Dankbarkeit.
Diese Botschaft ist an die Welt gerichtet - an alle Menschen, die sie voller Dankbarkeit annehmen, weil sich vieles dadurch erklärt. Aber auch an jene, die es nicht hören wollen. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Und jeder ist für seine eigenen Entscheidungen selbst verantwortlich. Auch das ist letztlich eine Frage des Bewusstseins und der Selbstverantwortung.
Es grüßt Sie herzlich
Dieter E. Weiner
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